26
Mai 2015

Echt geil, oder?

Echt oder?

Flash hatte richtig die Schnauze voll!!
Er warf die neueste Ausgabe von National Geographic in die Ecke und dachte über einen Leserbrief nach.
Problem: Kein Mensch liest Leserbriefe!
Wieder einmal wurden Landschaftsaufnahmen aus aller Welt veröffentlich; Flechten im hohen Norden, die in allen Farben der Welt blühten, Herbstbilder aus der USA, quietschebuntes Laub und sensationelle Wolkenspiele, Strände der Karibik, türkisblaues Meer und kein Fußabdruck im Sand, soweit das Auge reicht.
Aber, hatte der entsprechende Fotograf wirklich auf diesen jeweiligen Lichtmoment gelauert, um dieses sensationelle Bild zu fotografieren? Gab es diese Farbenvielfalt wirklich? Und warum wurde die Welt, seit Einführung von Photoshop, mit Aufnahmen überflutet, die es früher alle paar Jahre mal zu bestaunen gab?
Das alles dann mit dem Ergebnis, dass sich bei wirklicher Inaugenscheinnahme der entsprechenden Location Frustration breit macht.
Auf jedem popeligen Suppenwürfel fand man einen Hinweis, ob darin auch nur eine gentechnisch veränderte Sojabohne verbraten sein könnte, aber gegen das visuelle Genfood wurde nichts unternommen!
Biostempel auf Tomate und Karotte, aber immer noch werden schamlos Fotos von Models und Schauspielern in Umlauf gebracht, die jungen Mädchen vorgaukeln, wenn sie nur lange genug die Nahrung verweigern, bekommen sie eine Figur wie ihre Barbiepuppe; ja, klar, da spielt noch ein wenig Bildungsferne mit, wenn man glaubt, auf Dauer ohne Nahrung überleben zu können!
Oder die Hotelfotografie!! Wiese statt Straße, Hecke statt Parkplatz, Wald statt Fabrik, Strand statt Vergnügungsviertel, Savanne statt Kinderstrich! Schlichtweg Betrug!
Dabei wäre es so einfach! Es gibt die so genannte RAW-Datei, die ist sogar vor Gericht als Beweismittel zulässig und kann vor ihrer Umwandlung ins JPG noch nicht retuschiert werden. Jeder Verleger, jede Werbeagentur und jeder Hotelier kann, wenn er denn ehrlich spielen will, diese Datei anschauen, bevor er ein Bild veröffentlicht. Ist alles echt, bekommt das Bild einen Stempel ins Eck. Sollte jemand den Stempel aufdrücken, obwohl er den visuellen Wahrheitsgehalt nicht überprüft hat, oder bewusst eine Fälschung in Kauf nimmt, bekommt er 20 Stockhiebe auf die blanken Fußsohlen.
Flash hatte auch schon eine genaue Vorstellung davon, wie man den Stempel aussehen lassen könnte. Er öffnete seine Feierabendbier, zündete sich eine Zigarette an und legte los. Als er fertig war betrachtete er zufrieden sein Werk, sicherlich würde dieser Stempel bald weltweit im Umlauf sein! "Yeah!"
Steven packte seine Knipse in den Rucksack, setzte sich auf sein Motorrad und brauste den Motiven entgegen, den echten!

von Steven Flash

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