22
Mai 2015

Flash und die Artdirektoren!

Steven Flash und sein Assistent Joe Checker saßen in der Blechbüchse, die Flash sein Auto nannte. Auf dem Weg nach Norddeutschland, um in einem Mietstudio Möbel zu fotografieren. 700 km in nördliche Richtung, ob die Leute einen da verstehen würden?

"Kennet Sie mir sage wo´s Gäschdehaus "Heinemann" sei kennt? Des vermaledeite Nawi, des het doch an Hamballe brogramiert. Dohanne soll´s gwäh soi, mir hend äbber nix gsähe."

Man weiß ja nie, ob man im Norden gutes Deutsch versteht, dachte Flash, während er sich die circa 40ste Zigarette anzündete und die Ausfahrt Westerstede-West nahm.

Einchecken, Essen (ein "Moorkrüstchen", sprich ein paniertes Schnitzel mit Spiegelei und Käse, das Highlight ammerländischer Kochkunst), Bier, Hotelbett.........Ödness in Tüten.

Erster Tag des großen Auftrags! Arbeitsbeginn 08:00Uhr morgens! Steven Flash gab erst mal dem Team (Schreinern, Malern, Stylistin und Assistent) die Angaben, wie die Aufbauten für die Interieurs auszusehen hatten. Allgemeine Geschäftigkeit, der erste Aufbau steht! Inzwischen 12:30Uhr, der kleine Hunger machte sich bemerkbar, Eintreffen der drei "Artdirectoren" einer Bremer Werbeagentur. Jung, bunte Haare, Pearcing, kreativ, innovativ, profilneurotisch, eine weiblich, einer männlich, eines......nun ja, also alles so wie es scheinbar sein muss!

Was ruft ein Direktor der Kunst als Erstes beim Anblick von Mitmenschen aller Art? "Meeting"!

Der Begriff "Meeting" stammt ursprünglich aus einem längst vergessenen Dialekt der Sioux-Indianer "mi-i-tinn", er beschrieb den Vorgang, bei dem sich die Stammesältesten für die Dauer eines abnehmenden Mondes in ein Tipi zurückzogen, um festzulegen, ob man das Kriegsbeil dieses Jahr mit der Klinge nach rechts oder nach links begraben solle (natürlich ohne sich endgültig festzulegen).

What´s a meeting today? Ganz einfach, man sitzt zusammen, einige Personen versuchen die Arbeit zu organisieren, andere leben Ihre Profilneurose aus, indem sie alles besser gewusst hätten, wenn man sie denn rechtzeitig gefragt hätte.

In diesem Fall:
"Man habe sich das ja ganz anders vorgestellt, dafür habe man ja die "Moods" geliefert (Moods sind schon erstellte Bilder anderer, die der Direktor der Kunst mühsam ausgesucht hat, den Vorgang des Aussuchens als kreativ darstellt und sich mit diesem geistigen Eigentum anderer schamlos profiliert. Sie sollen beschreiben, welche gestalterische Richtung eingeschlagen werden soll)."

Steven Flash hatte die Moods am Morgen sehr wohl an der Pinwand entdeckt, da es sich jedoch um Motive aus der Beauty- und Modefotografie handelte, diese nicht mit dem aktuellen Auftrag in Verbindung gebracht. Flash´s Betriebstemperatur stieg langsam an und er bereute, seinen Flachmann nicht gefüllt zu haben.

Eine kurze Zwischeninfo für Leser, die noch nie an einem Möbelshooting teilgenommen haben:
Zuerst legt man den Kamerastandpunkt fest, dann arrangiert man grob die zu fotografierenden Möbel, legt dann den Raum um diese Möbel herum fest (Wände, Fenster, Türen, Treppen usw.). Allerdings wird nur der als Hintergrund zwingend nötige Raum gebaut, zum ersten, um Arbeitszeit und Material zu sparen, zum zweiten, um genug Platz für die Beleuchtung zu haben. Den Aufbau nennt man dann Koje. Im Idealfall war im Vorfeld ein Innenarchitekt einbezogen, der schon einen Bauplan erstellt hat.

Wieder zurück zu Flash, Checker und den Kunstkonditoren. Originalton der bunten Pearcingfraktion:
"Jaaaa, man habe sich vorgestellt, dass man richtige Räume aufbaut, in denen man sich bewegen und beliebig drehen kann, um dann "lifige" Bilder zu erstellen. So aus der Hüfte raus, genauso wie von einem Model am Strand in der Karibik!"
Flash fragte lauernd ob einer schon mal bei einer Fotoaktion in einem Möbelstudio dabei gewesen sei?
"Nein, aber man habe Erfahrungen bei einem Modeshooting am Steinhuder Meer gesammelt!"

"..............Yeah!"

Checker griff rechtzeitig ein, er zog Flash aus dem Studio, steckte ihm eine Zigarette in den Mund und konnte beobachten, wie Flash´s Nasenflügel langsam aufhörten zu beben, seine Augen wieder Anteile von Weiß im Rot zeigten und seine verkrampften Fäuste sich wieder lockerten.

Steven Flash begriff, dass Nikotin Leben retten kann.......wenn auch nicht das eigene! Fotograf ist manchmal nicht gerade der Beruf, den man als denkender, erwachsener Mensch mit Rückrad ausüben sollte!

von Steven Flash

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