05
Dez 2015

Inflation

Steven Flash stellte fest, dass sich im Laufe der Jahre nicht nur sein Gewicht und seine grauen Haare inflationär entwickelt hatten, sondern auch Begrifflichkeiten in seiner Branche:

"Fotodesigner"
Ursprünglich ein Titel, den ein Fotograf trug, der an einer Uni oder Fachhochschule Fotodesign studiert hatte. Heute eine Bezeichnung für jeden Hanswurst der eine Kamera tragen kann.
"Kreativität"
Ursprünglich dafür gedacht, einen Zustand zu beschreiben, der dazu führt, dass Neues entsteht. Wird inzwischen schon gebraucht, wenn man beim Abwischen seines Allerwertesten vom Falten zum Knüllen des Klopapiers wechselt.
"Artdirector"
Ursprünglich als Titel für führende gestalterische Grafiker in Werbeagenturen gedacht, bezeichnet heute Sklaven in den unteren Lohngruppen der Agenturen, die, gemessen an ihren Arbeitsstunden, einen Gehalt unterhalb des Mindestlohns beziehen.

Die Liste könnte man beliebig fortsetzen. Superwitzig fand Flash auch die Anglizismen die in seiner Branche verwendet wurden. Meist waren diese im englischsprachigen Raum gar nicht gebräuchlich. Aber was soll´s!
Fern von Anglizismen und den Sprachgebräuchlichkeiten der Werbefutzis (Flash selbst eingeschlossen) gab es noch die wirkliche Welt, in der ein kurzes Kommando (ganz ohne meeting) ausreichte, die Arbeit von Stunden zu organisieren, in der eine witzige Bemerkung kaum mehr als drei Worte benötigt und in der Menschen am Abend wissen, was Sie geleistet haben!
Zum Glück gab es die Industriefotografie, Öl, Hitze, echte Kerle, echte Weiber, Staplerfahrerinnen, Schweißer, Monteure und Näherinnen. Wie lange würde man als Industriefotograf noch solche Motive finden? Und das bei uns, z.B. in Stuttgart? Schon jetzt fast nur noch menschenleere Fertigungshallen!
Manchmal, nach einer Industriereportage, fühlte sich Steven Flash wie einer von denen, zwar nur kurz, aber es reichte, um mit einem guten Gefühl mit dem Motorrad dem Sonnenuntergang entgegen zu fahren. "Yeah!"

 

von Steven Flash

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