21
Dez 2016

Jeden Tag was Neues!

 Ich frage mich immer wieder, wer in seinem stillen Kämmerlein sitzt und sich Witze ausdenkt, wer (außer der Pharmaindustrie) ständig irgendwelchen neuen Unsinn über die Verträglichkeit von Lebensmitteln verbreitet und woher die älteren Damen diese Unmengen von Kleingeld beziehen, so dass sie ursächlich für Schlangenbildung an den Supermarktkassen verantwortlich sind.

Rätsel über Rätsel, die mir jedoch meist am Allerwertesten vorbeigehen.

Ist mir doch egal ob Kaffee entwässert oder nicht, ich kann das ja beliebig mit sonstigen Getränken ausgleichen (natürlich am liebsten mit Bier).

Greenpeace wettert gegen die Zuchtfischfarmen, während parallel die Weltmeere leer gefischt werden. Die bedenklichen Cholesterinwerte werden nach unten korrigiert und die Pharmas scheffeln Milliarden! Geflügelfarmen sind schrecklich, geben wir doch all das Geflügel, was auf unserem Planeten kreucht und fleucht zum Abschuss frei, wir werden die sieben Milliarden Menschen schon satt bekommen. Probleme mit denen ich mich beschäftigen kann, oder es auch lassen kann. Ich habe weder ein Fischerboot noch eine Geflügelfarm!

Jetzt kommt es aber dicke, es geht um meinen Job!

Blitzlicht ist für Babys schlecht, sie würden zutiefst gestört werden!!!

Da war wohl einem Newcomer in der Fotografie die Investition in eine Blitzanlage zu teuer und er versucht, die jämmerliche Beleuchtung mit zwei Glühbirnen als Fortschritt zu verkaufen.

Ich fotografiere seit vielen Jahren Babys. Das läuft folgendermaßen ab:

Ich frage die Mütter, wann das Kind die Brust bekommt und vereinbare einen Fototermin, der circa eine Stunde vor diesem Vorgang anberaumt wird. Warum? Weil man in dieser Stunde die größte Wahrscheinlichkeit hat, das Baby mit geöffneten Augen zu erleben. Gegen Ende dieser Stunde wird das Kind unruhig, aber nicht etwa, weil es geblitzt wurde, sondern weil es Hunger hat. Der gerade mit ungeheuren Lichtmengen zum Wahnsinn getriebene Zwerg nuckelt dann friedlich an der Mutterbrust, keine Zeichen von Unwohlsein! Nach dem Imbiss ein Bäuerchen, dann geht wieder zum Shooting. Nach vielleicht 10 Minuten schläft der Nachwuchs einfach ein, unbeeindruckt von allem, was um ihn herum vorgeht.

All diese Beobachtungen sprechen deutlich dafür, dass die Blitzlichtphobie von Babys ein weiterer Versuch ist, in unserem von wirklichen Problemen gereinigten Leben mal wieder etwas Spannung zu erzeugen. Bald wird das wieder Schnee von gestern sein, wie der Rinderwahnsinn und das Waldsterben, wie die Verteuflung der Eier als Cholesterinbomber, des Kaffees als Dehydrierer und wie die Überzeugung der Menschen Anfang des 20. Jahrhunderts, dass eine Fortbewegung mit mehr als 30 Stundenkilometern gesundheitsschädlich ist (auch ohne, dass es zu einem Unfall kommt). Im Prinzip könnte es mir egal sein, ich kann Babyfotografie auch mit LED! Ich wünsche mir nur, dass unser nächster evolutionärer  Schritt sein wird, dass unser Hirn einen automatischen Spamfilter erhält, damit wir uns nicht mit jedem Dreck auseinandersetzen, den  irgend jemand in irgend einem Medium verbreitet. Ansonsten beschäftigen wir uns bald völlig degeneriert ausschließlich mit Nebensächlichkeiten und bemerken die wirklichen Probleme nicht mehr, selbst wenn sie direkt vor unserer Nase liegen.

In diesem Sinne wünsche ich allen ein blitzfreies Weihnachten und vor allem........an Silvester nicht in den Himmel schauen, das Feuerwerk könnte epileptische Anfälle auslösen! Das ist echt gefährlich, ganz im Gegensatz zu der Völlerei und Sauferei in diesen Tagen!!!!

von Stefan Kuhn

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