20
Mai 2015

Steven Flash, Geburtsstunde

Es gibt Berufe, die dem Zeitgeist wenig verpflichtet sind. Ein verstopftes WC, eine defekte Sicherung, ein Gasanschluss in der Küche und der Wechsel von Bremsbelägen ist durchaus möglich, ohne dass der Ausführende eine Geisel der neuesten Trends ist.

Bei Tätigkeiten, wie der des Artdirectors, Peoplefotografen, Industriefotografen und der Verkäuferin in der Kosmetikabteilung verhält sich das anders. Da ersetzt der Zeitgeist die normale Zeitrechnung.
Steven Flash war, nun ja, wie soll man es am besten ausdrücken, zeitgeistfern? Zeitgeistresistent? Um es mit seinen Worten auszudrücken:

"Du, sag amol, des mit dem Zeitgeischt, verstohsch Du des? I hann`en gesucht, aber net gfunde!"
Zugegebenermaßen hatte die Suche nicht lange gedauert, er hätte sich aber mehr Zeit nehmen sollen, da die Welt langsam dazu neigte, sich ohne ihn zu drehen.

Nehmen wir z.B. die Möglichkeit an neue Aufträge zu kommen! Die Zeit, als man sich bei Firmen vorstellte, seine Mappe präsentierte, seine Person und seine Preise und, wenn man dann besser als andere war, den Auftrag erhielt, waren schon lange vorbei. Soziale Netzwerke, Vereinigungen regionaler Unternehmer (im Stil der Freimaurer, nur alberner), Frühstück der Jungunternehmer, Mitgliedschaft im Tennis- oder im Golfklub, nö!

Steven hatte sich noch eine Zeitlang mit seinem Internetauftritt über Wasser gehalten, aber Dank seines eigenen Desinteresses war diese Seite bei Google so abgerutscht, dass sie im Prinzip inexistent war.

Flash war also, trotz seiner extremen Lieferantentreue, gezwungen, sich diesbezüglich neue Partner zu suchen. Sein Traum von der neuen Zusammenarbeit sah wie folgt aus:
"Ich mach nix, ihr macht alles!"

Flötenpfeife! War wohl nix! Blog einrichten, facebook pflegen, ständig Neues veröffentlichen! Flash begann depressiv zu werden, denn genau das wollte er ja vermeiden.

Sich der Lächerlichkeit preisgeben und Berichte über lapidare Fotoaktionen zu schreiben, sich selbst loben und das liebe Brautpaar oder die tolle Werbeagentur erwähnen, was für eine jämmerliche Beschäftigung!
"Flanke 7" nennen sich die Jungs, die Flash aus seiner depressiven Phase mit einem Schlag befreiten!
"Keiner zwingt dich, in Deinem Blog Süßholz zu raspeln, schreib doch einfach, wie dir das Maul gewachsen ist!"

Das war dann die eigentliche Geburt von Steven Flash! Gewisse Ähnlichkeiten zu einem wirklich existenten Fotografen (der natürlich unbekannt bleiben will) sind völlig unbeabsichtigt! Sollten Sie AD bei einer Werbeagentur sein, denken Sie daran, der echte Fotograf liebt sie über alles! Er respektiert sie allein schon ihres schönen Titels wegen. Sollten Sie eine Firma sein, die einen Fotografen sucht, denken sie daran, der wirkliche Fotograf hält sie für den Nabel der Welt und schätzt Betriebswirtschaftler über alle Maßen!

Der wirkliche Fotograf ist jung, schlank, feinsinnig und teamfähig! Eben ganz anders als Flash, dessen Charakterzüge sind rein fiktiv!

Mit diesen letzten Worten beenden wir den Erstauftritt von Flash, der schwingt sich auf sein Motorrad und braust dem Sonnenuntergang entgegen!

"Yeah!"

von Stefan Kuhn

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