28
Jul 2015

Tücke und Fluch der Technik

Flash verstand die jungen Leute nicht, die versuchen, mit allerlei Schnick-Schnack den Geist vom Körper zu trennen, um sich dem reinen Fühlen und Denken hin zu geben. Als Flash jung war, nahm er seinen Körper im Normalfall gar nicht wahr. Weder hinderte er ihn am Denken, und beim Fühlen.........na ja, von Behinderung war da sicherlich nicht die Rede!
Für die etwas älteren Semester, so wie er selbst, (manche sagen auch "in den besten Jahren", was müssen die, die das behaupten, für eine beschissenen Jugend gehabt haben) macht diese Körper-Geist-Trennung schon viel mehr Sinn.
Diese blöde Body verhält sich dann wie ein Hintergrundrauschen bei schlechtem Radioempfang, unterschwellig piekst und drückt es an allen Enden, kaum eine Minute, in denen einem sein Körper nicht bewusst wird. Oder wie ein Prozessor der ständig unnötige Programme im Hintergrund ausführt und so die Rechnerleistung reduziert.
Steven Flash war aber eigentlich ganz zufrieden, meistens, d.h. beim sinnlosen Herumlungern und der Flucht vor unangenehmer Arbeit, war ihm sein Gesundheitszustand kein Hindernis.
Wenn z.B. die Umsatzsteuerabrechnung im Raum stand, konnte Flash stundenlang sein Studio fegen und nass Aufwischen, was war schon das kaum wahrnehmbare Kreuzweh gegen das Jonglieren mit Zahlen! Stundenlanges Rechnen, um am Ende mit Recht das behaupten zu können, was man ohne Rechnerei auch schon hätte voraussagen können! Wieder mal nix!
Momentan drückte sich Flash vor der Fotografie von Yogarollen! Ein typisches Beispiel für die Hilflosigkeit des Werbefotografen wenn ein beratungsresistenter Kunde beschließt, ihn in den Wahnsinn zu treiben. Ein wichtiges Kriterium bei der Fotografie und der Bildbearbeitung war in diesem Fall die Farbgenauigkeit. Aber was nützt Graukarte und manueller Weißabgleich auf diese Karte, wenn der Kunde die Bilder dann an einem alten Röhrenmonitor beurteilt, während die Sonne überflüssigerweise auch noch auf den Bildschirm scheint.
"Hallo Flash, ich ruf an, weil die Farben dieses Mal total daneben sind, musst Du noch mal fotografieren!"
Flash fühlte sich wie in einer Endlosschleife, aus der es kein Entkommen gibt.
"OK, ich fotografiere neu, schick Dir die Daten dann zu!"
Flash wartete bis zum Nachmittag, er wusste, dass dann keine Sonne mehr ins Büro des Kunden schien und schickte ihm exakt die gleichen Bilder erneut zu.
"Hallo Flash, jetzt ist alles in Ordnung, danke!"
"Yeah!"
Immer gerne zu Diensten dachte Flash, schüttete sich einen verdienten Whiskey hinter die Binde, ließ seinen Job und sein Studio weit hinter sich und fuhr auf dem Motorrad dem Sonnenuntergang entgegen!

von Stefan Kuhn

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